Coaching im Jobcenter

Was steckt eigentlich dahinter?

Im Zusammenhang mit den Projekten des Jobcenters taucht immer wieder der Begriff „Coaching“ auf. Doch was genau steckt dahinter und was bedeutet das für Kundinnen und Kunden? Antworten geben Alf Krause, Integrationscoach im ABC-Netzwerk am Standort Melsungen, sowie Geschäftsführer Hans-Gerhard Gatzweiler.

Herr Krause, den Begriff „Coaching“ haben wir sicherlich alle schon einmal gehört. Doch was macht Coaching eigentlich aus und wie kann es helfen?
„Coaching hat sich als wertvolle Methode erwiesen, um mit Menschen zu arbeiten und zu guten Erfolgen zu kommen, denken Sie nur an den Sport. Dabei ist Coaching grundsätzlich nicht wertend und problemlö­sungsorientiert. Es sucht die Stärken von Menschen und möchte ihnen dadurch Erwerbschancen eröffnen.“

Was meinen Sie mit „nicht wertend?“
„Wir erleben derzeit, wie schnell Menschen im Internet und in der Öffentlichkeit abgestempelt werden. Hier entstehen „Vor-Urteile“ und „Vor-Verurteilungen“, die auch unsere Kundinnen und Kunden belasten und verunsichern. Sie ziehen sich zurück, es entsteht nach und nach eine negative Selbsteinschätzung und die eigenen Stärken und Fähigkeiten treten in den Hintergrund.“

Wie kann hier das Coaching als Bestandteil des Bewerbertrainings helfen?
„Im Einzelcoaching schauen wir Integrationscoaches neutral und offen, wo die Pro­bleme sind und was der Kunde für sich tun kann, um Erwerbschancen in Deutschland und Europa zu nutzen und ein gutes Leben zu haben. Wir bleiben dabei mög­lichst konkret an der Sache und versuchen realistische Ziele zu finden.“

Ist dieser Ansatz erfolgreich?
„Ja, dieser Weg ist hilfreich. Wir können mit unseren Kundinnen und Kunden intensiver arbeiten, auch wenn es für alle recht beanspru­chend ist. Es lohnt sich aber, wenn die gemein­same Arbeit zu einer Beschäftigung führt.“

Was wünschen Sie sich von ihren Teilnehmenden im ABC-Netzwerk?
„Offen zu sein, mitzumachen und den Mut zu behalten! Das erleichtert uns Coaches enorm, Kundinnen und Kunden im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten und Vorgaben beizustehen.“

Herr Gatzweiler, wenn das Coaching so erfolgreich ist: Warum stellen Sie denn das ABC-Netzwerk dann nicht komplett auf Einzelbetreuung um?
„In unserem ABC-Netzwerk bieten wir Aktivierungsmaßnahmen nach § 45 SGB III an. Wir reden also von Maßnahmen und nicht von Einzelfallbetreuung. Als wir damals über die Zertifizierung nachgedacht haben, hatten wir festgestellt, dass wir mit der Einzelbetreuung nicht in jedem Fall weitergekommen sind. Ein ganz wichtiger Aspekt war damals und ist auch noch heute, dass wir die Chancen der gruppendynamischen Prozesse nutzen wollen. Wenn Kundinnen und Kunden sehen, wie andere Teilnehmende an ein Thema herangehen und welche Lösungen diese für sich gefunden haben, gibt das wichtige Impulse für die Bewältigung der eigenen Herausforderungen. Aber auch zu sehen, dass auch andere umfangreiche Probleme haben und dennoch den Weg in den Arbeitsmarkt finden, ist ein nicht zu unterschätzender Motivationsfaktor. So entstehen gruppendynamische Prozesse, die Teilnehmenden helfen und unterstützen sich gegenseitig. Dadurch kann sich der Coach dann auch anderen Themen zuwenden und nimmt eine etwas andere Rolle ein. Zusammenfassend lässt sich sagen: Im ABC-Netzwerk arbeiten wir in und mit Gruppen. Das individuelle Einzelcoaching ist zwar ein wichtiger zusätzlicher Erfolgsfaktor, aber nicht alleiniger Bestandteil unseres Bewerbertrainings.“

Herr Krause, Herr Gatzweiler, vielen Dank für das Gespräch!

Mehr erfahren?

Aktivieren (A), beraten (B) und Chancen ermöglichen (C) ist das Ziel der ABC-Netzwerke an den vier Standorten des Jobcenters Schwalm-Eder. Auf der »Projektseite sind die verschiedenen Angebote und Ansprechpartner zusammengefasst.

Schon gewusst?

Auch in unserem neuesten Projekt „Bedarfsgemeinschaften (BGs) im Fokus. Beschäftigungsbegleitendes Coaching im Schwalm-Eder-Kreis“ kommt das Coaching zum Einsatz. Hier stehen Familien im Mittelpunkt.

 

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